Arbeitsmarkt, Loyalität und Job-Hopping |
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Wenn Sie sich für die wirklich gravierenden Unterschiede zwischen Deutschland und Russland interessieren, sollten Sie sich mit dem russischen Arbeitsmarkt beschäftigen. Der ist seit Jahren dank wirtschaftlichem Aufschwung ein ausgesprochener Arbeitgebermarkt und kein Arbeitnehmermarkt wie bei uns. |
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Mangel an Kaufleuten
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In zahlreichen gefragten, meist betriebswirtschaftlichen und kaufmännischen Berufsprofilen übersteigt die Nachfrage nach Mitarbeitern das Angebot so stark, dass Gehalts- und Qualifikationsniveau in keinem Verhältnis mehr zueinander stehen. Um überhaupt jemanden zu bekommen, bieten viele Arbeitgeber selbst mittelmäßigen Kandidaten Topkonditionen an. |
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Hemmschuh Behördenwillkür
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An der Stelle will ich mir eine kritische Einlassung nicht verkneifen. Im Unterschied zu anderen Staaten, die akuten Arbeitskräftemangel dadurch zu beheben versuchen, dass sie für ausländische Fachkräfte Anreize schaffen ins Land zu kommen, tut der russische Staat das genaue Gegenteil. Er quotiert nicht nur zunehmend restriktiver die zulässige Höchstzahl zu erteilender Arbeitsgenehmigungen fur Auslander, sondern entwickelt auch noch stets neue bürokratische Hindernisse. Zu den absurdesten unter ihnen gehört ein Negativattest auf Lepra. |
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Defizit mit Tradition
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Ich erinnere mich noch an die Zeit 1995/96, als ich für meine damalige Firma die Leiter Vertrieb und Finanzen zu rekrutieren hatte. Mal abgesehen davon, dass mir die seinerzeit noch junge russische Personalberatung gerade mal eine Handvoll Kandidaten anbieten konnte, konnten einem deren Gehaltsvorstellungen schon den Atem nehmen. Sie lagen teilweise um mehrere Größenordnungen über dem damals - zugegebenermaßen niedrigen - russischen Durchschnitt. Der Vertriebsleiter meiner Wahl wurde für 4000 Dollar brutto eingestellt, was für die damalige Zeit und zum damaligen Dollarkurs ein Spitzeneinkommen darstellte. |
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Spirale ohne Ende
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Bis heute hat sich daran im Grundsatz nichts geändert. Mit Einschränkungen zwischen 1998 und 2001, als sich Russland von einem wirtschaftlichen Totalcrash erholte und viele ausländische Unternehmen ihre Präsenz im Land per Massenentlassungen dramatisch reduzierten, hat sich das eingangs erwähnte Missverhältnis immer weiter "aufgeschaukelt". Selbst junge russische Unternehmen zahlen heute einem halbwegs erfahrenen Vertriebsleiter mit einer Umsatzverantwortung von 10 bis 20 Millionen Euro ab 6000 Euro aufwärts plus "Package". Internationale Firmen legen für Leute mit Fremdsprachenkenntnissen und internationalem Hintergrund locker noch einmal 50 Prozent oben drauf. |
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Nichts für Billiglohnstrategien
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Bei Arbeitskräften in der Produktion ist die Situation, je nach Standort, vielleicht nicht so dramatisch wie bei Führungskräften. Russland kann auch in diesem Bereich nicht als typisches Billiglohnland gelten. Löhne in der Fertigung beginnen heute um 700 Euro für gefragtes qualifiziertes Personal und gehen für erfahrene Vorarbeiter, Meister und Spezialisten weit über 1000 Euro hinaus. In Richtung unqualifizierte Tätigkeiten öffnet sich dann aber die Lohnschere gewaltig. Lagerarbeiter etwa, wenn man denn welche findet, lassen sich bereits für 300 bis 500 Euro anheuern. Kennzeichnend für den russischen Niedriglohnsektor ist, dass hier kaum Russen arbeiten. Dieser Bereich ist zunehmend Gastarbeitern aus den ehemaligen Sowjetrepubliken Moldawien und Tadshikistan vorbehalten. |
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